von Antifa Düren - 5.11.2004 23:01
Der "Bund der Vertriebenen" (BdV) im Kreis Düren blieb sich treu. Hinter der Fassade von Heimatklängen und Trachtengruppen beim "Ostdeutschen Markt" und der Veranstaltung im Rathausfoyer blickte immer wieder die rechte Fratze des Verbandes durch.
Der von Bürgermeister Larue eingeladene Hauptredner des diesjährigen "Tags der Heimat", Weihbischof Gerhard Pieschl, jammerte, Deutschland sei auf dem Weg in eine "Canossa - Republik", ein "natürliches Nationalbewusstsein" sei einem "Nationalmasochismus" gewichen. Diese Aussagen könnten gut und gerne aus der Feder eines Neofaschisten stammen. Seine Rede gipfelte in der Behauptung, die Umsiedlung nach Ende des zweiten
Weltkrieges sei ein "Holocaust an den Deutschen" gewesen. Allein diese Aussage müsste die Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen, werden doch so in unerträglicher Weise der Holocaust und die Verbrechens des Hitlerfaschismus relativiert. Für eine solche Straftat sieht § 130, Abs. 3 des StGB eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Die Antifa Düren erwägt nun, Strafanzeige gegen Pieschl zu stellen. Zu prüfen wäre dann auch, ob Bürgermeister Paul Larue als Hausherr und BdV-Kreisvorsitzender Karl Heinz Weschke als Veranstalter sich der Beihilfe zu einer Straftat schuldig gemacht haben. Bezeichnend ist, dass lediglich Thomas Rachel auf die Vorgeschichte der Umsiedlung aufmerksam gemacht hat. Diese Maßnahme war eine unausweichliche Konsequenz aus den Verbrechen des faschistischen Deutschlands vor allem in Osteuropa.
Erneut wurden an die Besucher des "Ostdeutschen Marktes" rechtsradikale Zeitungen verteilt, wie etwa das "Ostpreussenblatt", in dem ausgewiesene Neofaschisten wie etwa Horst Mahler ausführlich zu Wort kommen.
Aufmerksame Beobachter der Veranstaltungen des BdV in den vergangenen Jahren können die diesjährigen Vorfälle indes kaum verwundern. Seit Jahren weist die Antifa Düren auf die enge Verbindung zwischen Vertriebenenverbänden und neofaschistischem Gruppierungen hin. Die Kritik beschränkte sich aber niemals allein auf die Redner, sondern war immer eine Kritik an den
politischen Inhalten der "Vertriebenenverbände". Diese sind in vielen Teilen mit denen der Nazis identisch.
Es ist an der Zeit, endlich Konsequenzen zu ziehen. Skandalös ist, dass die Stadt Düren immer noch Räumlichkeiten und Gelder für den BdV zur Verfügung stellt. Jegliche Zusammenarbeit muss unverzüglich eingestellt werden. Der BdV darf eben nicht "zu unserer Stadt" gehören, wie Paul Larue am Samstag
ausführte. Der Verband ist vielmehr ein überholtes Relikt aus einer dunklen Zeit und gehört auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt.
Begrüßenswert ist übrigens, dass - wie im Vorjahr - keine Vertreter der SPD und der Grünen am "Tag der Heimat" teilnahmen. Eine Tatsache, die in der Lokalpresse unerwähnt blieb, aber das Ergebnis kontinuierlicher antifaschistischer Arbeit gegen den BdV ist.
Antifa Düren, 30. September 2003
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