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26. 09. 2003: Gegen das Revanchistentreffen!
von Antifa Düren - 5.11.2004 23:01

Presserklärung der Antifa Düren zum diesjährigen "Tag der Heimat" des BdV.

In Düren findet am Wochenende die alljährliche Veranstaltung des „Bundes der Vertriebenen“ (BdV) zum sogen. "Tag der Heimat" statt. Erneut treten die Revanchistenverbände in diesem Zusammenhang mit einem "Ostdeutschen Markt" auf dem Kaiserplatz in die Öffentlichkeit. Über den Hauptredner, dem Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Vertriebene Gerhard Pieschl, sind im Gegensatz zu den Rednern der Jahre 2000 und 2001 keine Verbindungen zur neofaschistischen Szene bekannt.

In den vergangenen Jahren wurden die BdV-Veranstaltungen von heftigen Protesten begleitet. Vor allem junge Antifaschisten wollten nicht hinnehmen, dass der BdV Düren neofaschistischen Hetzrednern ein Forum bot. Aufgrund dieser Proteste konnte der Hardliner Karl Heinz Weschke (BdV – Kreisvorsitzender) im Jahr 2001 den Faschisten Paul Latussek nicht als Redner durchsetzen – er musste wieder ausgeladen werden.

Vor diesem Hintergrund kann die Wahl des diesjährigen Redners nur als taktisches Spielchen verstanden werden, welches dazu dient, die in der Vergangenheit klar erkennbaren Verbindungen nach ganz Rechts zu kaschieren. Hierfür muss dann auch mal ein Weihbischhof herhalten. Noch im letzten Jahr verharmloste Karl Heinz Weschke den Holocaust und die Naziverbrechen, indem er öffentlich die Vertreibung der Deutschen als das „größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ bezeichnete. Auf diese Weise wird die deutsche Geschichte auf unerträgliche Weise zurechtgebogen. Die ehemaligen Täter, die aufgrund alliierter Beschlüsse umgesiedelt worden, definieren sich kurzerhand als „Vertriebene“ um und drängen sich so in eine Opferrolle.

In diesem Jahr findet der "Tag der Heimat" vor dem Hintergrund großer Auseinandersetzungen um ein geplantes "Zentrum gegen Vertreibung" in Berlin und / oder Warschau statt, die in den vergangenen Wochen an Schärfe zugenommen hat. Die handelnden Personen sind eine Allparteienfront von Rechtsradikalen über Vertriebenenfunktionäre bis hin zu SPD-Promis auf der einen und Regierungen und Bevölkerung benachbarter Länder auf der anderen Seite. Ganz im Sinne der Vertriebenenverbände hat der Bundespräsident, Johannes Rau in diesem Zusammenhang die im Potsdamer Abkommen völkerrechtlich verbindlich beschlossene Umsiedlung vor wenigen Tagen als ,,furchtbares Unrecht" bezeichnet. Schärfere Töne schlug die Präsidentin des ,,Bundes der Vertriebenen" Erika Steinbach an, die die Umsiedlung mit blutigen Stammesfehden verglich: ,,Vertreibung und Genozid verharren im archaischen Denken von Blutrache", so die CDU-Politikerin. Immer wieder wird behauptet die Vertriebenen seien in erster Linie Opfer, Opfer von ethnischen Vertreibungen. Sie müssten die Hauptlast des Nationalsozialismus tragen, wobei vorausgesetzt wird, dass NS-Herrschaft und „Vertriebene“ unterschiedliche Personen meint. Was historisch falsch ist, waren doch die damaligen „Vertriebenen“ zu einem hohen Prozentsatz Mitglieder und Funktionäre der NSDAP und/oder der Nazi-Organisationen in den von Deutschland überfallenen Ländern.

Der polnische Staatspräsident Kwasniewski erinnert demgegenüber an die Rechtmäßigkeit des Potsdamer Abkommens und seiner Bestimmungen, auf denen die Umsiedlung der Deutschen beruht. Kwasniewski warnt davor das Rad der Geschichte zurück zu drehen: ,,Das Auseinanderreißen der historischen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zwischen der aggressiven Politik des deutschen Faschismus und den Aussiedlungen (...) legt zwangsläufig den Verdacht nahe, dass wir es mit dem Versuch zu tun haben, die historische Bewertung der deutschen Aggression gegenüber anderen (...) zu revidieren". Das deutsche Vorhaben, ein ,,Zentrum gegen Vertreibungen" zu errichten und die Umsiedlung der Deutschen in Folge des Zweiten Weltkriegs zum ,,Unrecht" zu erklären, ruft nicht nur in Polen erhebliche Besorgnisse hervor. Auch in Tschechien teilen viele Menschen die Befürchtungen "heim ins Reich" geholt zu werden. Die tschechische Regierung ist wegen ihrer begründeten ablehnenden Haltung gegen das geplante "Zentrum gegen Vertreibung" und der Verurteilung der offenen Gebietsansprüche deutscher Vertriebenenverbände, bereits großem Druck ausgesetzt.

Die "Vertriebenenverbände" sind Einpeitscher einer aggressiven Politik. In Polen und Tschechien sind bereits Organisationen tätig, die den Einfluss und die Rückkehr Deutscher vorbereiten. Diese Organisationen werden mit Spenden und Hilfsgütern aus Deutschland unterstützt. Die Vertriebenenverbände sind also eine Gefahr für den Frieden in Europa. Darüber können Trachtengruppen und "Ostdeutsche Märkte" mit Klöppelarbeiten nicht hinwegtäuschen. Die öffentlichen Fördergelder für solche Organisationen müssen endlich gesperrt werden. Unter dem Deckmantel der Kultur- und Traditionspflege werden bereits dreist Gebietsansprüche an Nachbarländer wie Polen und Tschechien gestellt. Solchen friedensgefährdenden Bestrebungen muss Einhalt geboten werden. Der aggressive politische Einfluss der Vertriebenenverbände muss zurückgedrängt werden. Das ist eine Aufgabe für alle, die aus der Geschichte des deutschen Faschismus lernen wollen. Weder die Friedens- noch die antifaschistische Bewegung darf zuschauen, wie solchen Leuten freie Hand gewährt wird.

Antifa Düren, im September 2003

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