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13.02.2003: Offener Brief an Paul Larue
von Antifa Düren - 5.11.2004 22:54

Auf die Erkläung von Dürens Bürgermeister Paul Larue zur Antikriegsdemonstration am vergangenen Samstag reagierte die Antifa Düren mit einem offenen Brief.

13.02.2003: Offener Brief an Paul Larue
Antifa Düren
c/o PDS Kreisverband Düren
Gartenstr. 36
52351 Düren

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ihre Auslassungen zur Dürener Friedensdemonstration können wir nicht unbeantwortet lassen.

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Mit ihrer Erklärung haben sie sich als Kriegsbefürworter geoutet. Damit vertreten Sie eine absolute Minderheitenperson in der Stadt – Umfragen belegen, dass mehr als 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Irakkrieg ablehnen. Anders sieht es auch nicht in Düren aus – das bewies die große Demonstration am vergangenen Samstag eindrucksvoll.

Richtig ist, dass die Organisatoren ihnen das Angebot gemacht haben, zu sprechen. Außer einem Redebeitrag war Ihnen auch ein Grußwort als Stadtoberhaupt angeboten worden. Natürlich hätte sich ihre Ansprache gegen Krieg richten müssen. Das auf einer Friedensdemonstration keinem Redner das Mikrofon angeboten wird, der von „Frieden“ redet, aber in Wirklichkeit einen verbrecherischen Angriffskrieg meint, sollte Ihnen doch klar sein. Der geplante Krieg wird in jedem Fall ein Angriffskrieg sein. Selbst die bürgerliche Presse bestreitet mittlerweile nicht mehr, dass weder um Menschenrechte, Demokratie oder den „Kampf um den Terror“ geht (wie von Ihnen behauptet), sondern um Macht und (Öl-) Profitinteressen. Ein Angriffskrieg wird aber durch die UNO-Satzung, NATO-Statut, Grundgesetz und auch die christliche Morallehre verboten. Ein Krieg darf und soll von keinem Land angewendet werden, auch nicht als Druckmittel gegen Diktatoren (Saddam ist, wie viele andere Diktatoren auch, übrigens ein Ziehkind der USA).

Bedenklich ist, dass Sie in ihrer Stellungnahme unverhohlene Kriegspropaganda kolportieren. Vom „irakischen Aggressor“ ist die Rede. Das ist eine unverantwortliche Verzerrung der Realität. Nicht der Irak, der durch das jahrelange Embargo und den letzten Golfkrieg wirtschaftlich, militärisch und politische geschwächt ist, sondern vor allem die USA sind der Aggressor. Und, wie Sie bewiesen haben, auch Teile der CDU sind der Aggressor, indem sie Kriegshetze und Propaganda betreiben.

Nicht der Irak bedroht die USA und Großbritannien mit einem Angriffskrieg, sondern umgekehrt!

Gefährlich wird es, wenn Sie die deutsche Geschichte bemühen, und daraus folgern, Krieg müsse als Option gegen diktatorische Regime offen gehalten werden. Ein Vergleich zwischen dem Hitlerfaschismus und dem Irak ist nicht zulässig. Das sollten Sie als Historiker eigentlich wissen. Die Lehre aus der dem Hitlerfaschismus lautet: „Nieder wieder Faschismus, nie wieder Krieg“. Wenn Sie nun daraus folgern, weil Deutschland einen Angriffskrieg geführt hat, müssten nun Angriffskriege gegen diktatorische Staaten geführte werden (womöglich mit deutscher Beteiligung?), dann ist das eine Verhöhnung der Opfer des Faschismus. Der Hitlerfaschismus wurde nicht durch einen „Präventivkrieg“ geschlagen, sondern weil die sich von ihm angegriffenen Völker – allen voran die Sowjetunion – mutig verteidigt haben.

Unappetitlich wird es, wenn Sie behaupten, es „kann kein Zweifel sein, dass alle Menschen guten Willens Friedens wollen“, sie sich aber gleichzeitig für die Möglichkeit eines Krieges gegen den Irak aussprechen. Für den „Frieden“ soll ein Land zerbombt werden und hunderttausende Menschen getötet werden? Sind sie noch bei Trost??? Die Perversion dieser Logik sollte Ihnen doch auffallen.

Nein, Herr Bürgermeister, es geht Ihnen nicht um die Bewahrung des Friedens. Sie vertreten – der Linie ihrer Partei folgend – eine aggressive Politik zur Durchsetzung von Macht- und Profitinteressen – wenn es sein muss, mit Krieg!

Zum Glück begreifen immer mehr Menschen, dass Krieg kein Mittel der Politik mehr sein darf! Ihr Begründung für die „harte Gangart“ von Ländern wie z. B. Polen und Litauen gegenüber dem Irak ist nicht haltbar. Zwar ist es richtig, dass einige dieser Länder wiederholt Aggressionen ausgesetzt waren. Aber der Aggressor war weder im ersten noch zweiten Weltkrieg der Irak, sondern Deutschland! Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, dass diese Länder sich durch den Irak bedroht fühlen? Die Polen fühlen sich wohl eher durch ihre Freunde von den Vertriebenverbänden bedroht.Außerdem sind es nicht die Länder, sondern nur die Regierungen die den USA in der Irakpolitik folgen. Selbst in den USA und Großbritannien ist die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Krieg.

Ihre Stellungnahme hat Sie also Wolf im Schafspelz entlarvt. Mit ihrer Position haben Sie sich in Düren isoliert. Wer ernsthaft Frieden will, muss sich dafür einsetzen, den Kriegstreibern Einhalt zu gebieten. Letztlich wird nur eine gerechte Weltwirtschaftsordnung dauerhaften Frieden sichern können, denn solange die Kriegsprofiteure der Rüstungsindustrie und Großkonzerne die Macht haben, wird Krieg weiterhin auf der Tagesordnung stehen.

In der Hoffnung dass auch Sie eines Tages zur Einsicht kommen, dass Krieg der falsche Weg ist verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,


i. A. Martin Graubenden

Antifa Düren, 13. Februar 2003

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