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2.9. 2002: Antifa Düren fordert Boykott des BdV
von Antifa Düren - 5.11.2004 22:34

Düren, den 2. 9. 2002

An den Bürgermeister sowie
die im Stadtrat vertretenen Parteien

Betr: Offener Brief wegen „Tag der Heimat“ des BdV

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

am kommenden Samstag ist es wieder soweit. Der „Bund der Vertriebenen“ (BdV) feiert seinen „Tag der Heimat“. Diese Veranstaltung soll in diesem Jahr ausgerechnet im Foyer des Rathauses stattfinden, neben dem BdV-Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Weschke möchte auch Bürgermeister Larue das Wort ergreifen.

Doch wer trifft sich dort am Samstag im Rathaus? Sind die Erfahrungen mit dem BdV in den vergangenen Jahren etwa alle schon vergessen?

Zur Erinnerung:

Im vergangenen Jahr konnte die Antifa Düren den Auftritt des Neofaschisten Latussek beim „Tag der Heimat“ des BdV in Düren verhindern. Die durch uns nachgewiesenen Verstrickungen Latusseks in das neofaschistische Lager waren so zahlreich, das selbst CDU-Landrat Spelthahn (Schirmherr „Tag der Heimat“) und Bürgermeister Larue vom BdV abrückten. Mittlerweile musste Latussek alle seine Ämter im BdV niederlagen, nachdem er öffentlich den Holocaust in Frage stellte. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren gegen ihn ein. Karl-Heinz Weschke, der für die Einladung Latusseks verantwortlich war, hat sich übrigens bis heute nicht von ihm distanziert. Er ist vielmehr weiterhin der Meinung, das Latussek ein Mann ist, „gegen den man nichts sagen kann“.
Deshalb forderte der Dürener Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan im vergangenen Jahr zurecht, der Hardliner Weschke möge zurücktreten. Für weitere Redner beim „Tag der Heimat“ lassen sich Verbindungen zu Neonazis nachweisen. Namentlich sind dies Renate Sappelt (1995), Ortwin Lowack (1999), Rüdiger Goldmann (2000), die ebenfalls in Verantwortung des Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Weschke (außerdem Mitglied im Landesvorstand des BdV) nach Düren eingeladen wurden. Aus diesen Tatsachen lässt sich nur ein Schluss ziehen: die Zusammenarbeit mit Neofaschisten ist Programm des BdV in Düren.

Doch damit nicht genug: Ein weiterer Skandal ist der auf dem Kaiserplatz geplante „1. Ostdeutsche Markt“. Wer bei „Ostdeutschland“ hier an die neuen Bundesländer denkt, liegt falsch. Bei genauerer Betrachtung des Programms des Marktes wird deutlich, welche Gefahr von den unbelehrbaren BdV-Mitgliedern ausgeht. Feilgeboten werden sollen auf diesem Markt unter anderem „kaschubische Handarbeiten“, „böhmisches Spielzeug,“ „ostpreußischer Bernstein“ und „Königsberger Marzipan“ werden. Unter „Ostdeutschland“ verstehen die Revanchisten Gebiete jenseits von Oder und Neiße, also in Polen und Tschechien oder gar noch weiter östlich. Am liebsten wäre dem BdV wohl ein Deutschland in den Grenzen von 1937 – oder etwas später. Diese revanchistische Ausrichtung gefährdet das friedliche Zusammenleben in Europa!


Und diese Leute sollen sich im Rathaus treffen dürfen, und so den offiziellen „Segen“ der Stadt Düren empfangen. Wer so handelt, öffnet neofaschistischem Gedankengut und Revanchismus die Tür. Das darf nicht sein!

Wir rufen Sie aufgrund des weiter oben geschilderten Sachverhalts, dazu auf, nicht am „Tag der Heimat“ teilzunehmen, sondern diese Veranstaltung der Rechtsradikalen zu boykottieren!


Herr Bürgermeister, nehmen Sie ihr Angebot an den BdV, den „Tag der Heimat“ im Rathaus zu begehen zurück, und legen sie die Schirmherrschaft über den „1. Ostdeutschen Markt“ nieder!

Wir laden Sie alle dazu ein, an der zeitgleich zur Veranstaltung des BdV stattfindenden Protestkundgebung gegen Revanchismus und Neofaschismus auf dem Kaiserplatz teilzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen,


i.A.

Martin Graubenden

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