von Antifa Düren - 5.11.2004 22:02
Zur Person: Paul Latussek
I Problemstellung
Beim diesjährigen "Tag der Heimat" in Düren soll der thüringische Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Paul Latussek, auftreten. Laut dem BdV-Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Weschke "ein untadeliger Mann, gegen den man nichts sagen kann.". Diese Aussage trifft definitv nicht zu. Im folgenden werden wir Licht in die politische Laufbahn Latusseks bringen.
II Politische Biographie
Paul Latussek wurde am 6. 9. 1936 geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Er studierte an der TU Dresden zum Diplom-Ingenieur und promovierte dort 1972. 1976 wurde er an der TH Ilmenau habilitiert. Seine politische Laufbahn begann 1990. Er war Gründungsmitglied und mehrere Jahre lang Landesvorsitzender der "Deutschen Sozialen Union" (DSU) Thüringen. Die DSU, als CSU - Ableger in Ostdeutschland gegründet, unterhält zahlreiche Kontake zu Parteien aus dem neofaschistischen Spektrum. Beispielsweise plante die DSU 1998 in einem Bündnis mit den "Republikanern" zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt anzutreten. Der Landsverband Thüringen des BdV wurde als erster in den neuen Bundesländern am 10. November 1990 gegründet. Latussek wurde dort zum Landesvorsitzenden gewählt. Seitdem bekleidet er dieses Amt. Von 1992 bis 1997 war er Vizepräsident des BdV, seit 1997 gehört er dem Präsidium des BdV an. Latussek unterhält intensive Verbindungen nach ganz Rechts. 1995 erschien von ihm ein Beitrag in dem Buch "50 Jahre Vertreibung" aus dem neofaschistischen Hohenrain - Verlag. Weitere Autoren neben Latussek waren der DVU - Vorsitzende Frey, der ehemalige Vorsitzende der Republikaner, Franz Schönhuber sowie der damalige Vorsitzende der FPÖ, Jörg Haider.
Die Verbreitung eines anderen Buches vom gleichen Herausgeber wurde 1997 durch das Amtsgericht Tübingen verboten und die noch bestehende Restauflage beschlagnahmt, weil einer der Autoren in einer Fußnote den Massenmord an den europäischen Juden leugnete.
In einer Rezension über dieses Buch schreibt Latussek: "Das Buch wendet sich [...] an alle an Recht und Freiheit orientierten Deutschen".
Im neofaschistischen Theorieorgan "Nation & Europa" erschien 1995 unter dem Titel "Neue Aufgaben für den Bund der Vertriebenen" ein Beitrag Latusseks. Mehrfach erschienen von ihm Artikel und Interviews in der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit". Interessante Rückschlüsse auf die Gesinnung Latusseks lässt ein Interview mit Latussek in der "Deutschen Wochenzeitung" von DVU - Chef Gerhard Frey zu. Auf die Frage, was er für die größte Leistung in der deutschen Geschichte hält, antwortet Latusekk: " Die Leistung, die im Zweiten Weltkrieg erbracht wurde. Was im zivilen und militärischen Bereich geleistet wurde [...] stellt eine in der Geschichte einmalige kollektive Leistung unseres Volkes dar". Und weiter: "Es ist an der Zeit, sich von den ungerechtfertigten Kollektivschuldzuweisungen für die Verbrechen des NS-Regimes zu lösen." Was damit gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich die Programmatik der Partei "Bund freier Bürger" ansieht, deren stellvertretender Bundesvorsitzender Latussek 1998 / 99 war. Im Wahlprogramm des BfB 1998 heißt es zur verbrecherischen Wehrmacht: "Keine Streitkraft der Welt kann auf militärische Traditionen verzichten. [...] Die militärische Leistung und die moralische Gesinnung der Wehrmacht werden im Ausland rückhaltlos anerkannt. Unzählige, namenlose Frontsoldaten haben ehrenvoll und unter Beachtung der Gesetze des Krieges für ihr Vaterland gekämpft."
Weiter wird Rassismus geschürt: Von "Asylbetrug", von "Ausländern, die das deutsche Volk ausnutzen" ist die Rede, die Abschiebung von "kriminellen Ausländern" und die Abschaffung des Rechts auf Asyl werden gefordert. Doch damit nicht genug. Latussek neofaschistische Aktivitäten gehen noch weiter. Am 19. Januar 1997 referierte er auf einer Veranstaltung der "Gesellschaft für freie Publizistik", der größten neofaschistischen Kulturvereinigung in der BRD. Im Jahre 1998 finanzierte Latussek einen Werbespot für einen Aufmarsch der faschistischen NPD. Für einen Eklat sorgte ein Flugblatt, das er im Thüringer Landtag verteilte. Unter der Überschrift " Was jeder Deutsche wissen sollte" ist dort vom "Völkermord an den ostdeutschen Stämmen", vom "Gebietsverlust des Gebietes des Deutschen Reiches" und ähnlichem die Rede. Daraufhin wurde ein Parlamentarischer Abend der Vertriebenen abgesagt. Die Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag warf Latussek "puren Revanchismus" vor. Seine "Äußerungen zeugen von nationalistischen Gedankengut und bieten den Nährboden für Handlungen wie wir sie erst vor kurzem mit dem Brandanschlag auf die Synagoge in Erfurt ertragen mussten".
III Bewertung
Das Material gegen Latussek ist erdrückend. Wenn Karl - Heinz Weschke behauptet, Latussek sei ein "untadeliger Mann" dann lässt dies allenfalls Rückgeschlüsse auf die Gesinnung des Vorsitzenden des BdV KV Düren zu. Das "Handbuch deutscher Rechtsextremismus" kommt bereits 1996 zu der Beurteilung: "Latussek ist Vertriebenenfunktionär mit Verbindungen ins offen rechtsextremistische und ‘neurechte’ Lager. Als deutschtümelnder, revanchistischer Hardliner wirkt er innerhalb des BdV, um hier eine Polariserung innerhalb der Vertriebenenverbände zu betreiben". Diese Charakterisierung ist zu schwach. Latussek war nicht nur hoher Funktionär der neofaschistischen Partei "Bund freier Bürger". Er unterhält darüberhinaus Kontakte zur NPD und DVU. Er trat als Referent bei der neofaschistischen "Gesellschaft für freie Publizistik" auf.
Das Material über ihn ist dabei längst nicht vollständig. Bei gründlicherer Rechereche ließen sich mit Sicherheit noch mehr Informationen finden, die ihn als Neofaschisten entlarven.
Die Aussage in den Dürener Nachrichten ist falsch, "Latussek werden Verbindungen in das neofaschistische Lager nachgesagt". Die Verbindungen sind bewiesen und lassen sich anhand der Quellenangaben von jedem nachprüfen. Insofern haben wir dem Landrat Spelthahn, der die "Vorwürfe" prüfen möchte, die Arbeit abgenommen.
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