von Antifa Düren - 5.11.2004 21:57
Presseberichte
Dürener Zeitung 21.08,2001
Linke kündigen Widerstand gegen "Tag der Heimat" an
Nach Rüdiger Goldmann tritt Paul Latussek als Festredner bei der Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen in Düren auf
Düren. Während der letztjährige "Tag der Heimat" gestern noch das Dürener Amtsgericht beschäftigte, kündigten die Linken bereits Widerstand gegen die diesjährige Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen am 8. September in der Dürener Stadthalle an. Nach Rüdiger Goldmann ist es Paul Latussek, an dem sich die Linken reiben. Ihrer Auffassung nach ist der Präsident des thüringischen Verbandes der Vertriebenen ein "faschistischer Hetzredner" gegen dessen Auftritt massiver Widerstand aus ganz NRW angekündigt wird.
Von Protest der Linken lässt sich Karl Heinz Weschke, Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen nicht beeindrucken. "Paul Latussek ist ein untadliger Mann, gegen den man nichts sagen kann", sagte Weschke gestern auf Anfrage der DZ und wies auf dessen letztjährige Auftritte vor Vertriebenen in Bonn und Düsseldorf hin, die nicht gestört worden seien.
Um den "Tag der Heimat" vor gut 100 Demonstranten zu schützen hatte de Polizei im vergangenen Jahr eine beträchtliche Einsatztruppe aufgeboten. Der heute 22-jährige Demonstrationsleiter Dominik C. wurde gestern im Amtsgericht Düren vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. Auf den Vorwurf man habe entgegen der polizeilichen Auflage die gesamte Fahrbahn zum Marschieren benutzt, reagierte der Richter mit einer Verwarnung.
"Wir werden uns nicht abschrecken lassen und auch gegen Latussek demonstrieren" kündigte das Mitglied der Dürener Antifa erneut Protest an.
Dürener Nachrichten vom 21.08.2001
Demo fand Nachspiel vor dem Amtsgericht
Flugblatt zu "Nazi-Terror" war keine Beleidigung
Von Nachrichten- Mitarbeiterin Sandra Kinkel
Düren. 150 Demonstranten und mindestens genauso viele Polizisten sorgten vor fast einem Jahr für jede Menge Wirbel in Düren. Bei diesem Aufmarsch soll Demonstrationsleiter Dominik C. aus Düren Versammlungsauflagen nicht eingehalten haben und steht deswegen jetzt vor Gericht.
Zur Vorgeschichte: der Bund der Vertriebenen (BdV) hatte zum Tag der Heimat eingeladen. Festredner war Rüdiger Goldmann. Der hatte eine Zeit lang dem Witikobund angehört, einer Organisation mit rechtsradikalen Tendenzen. Im Internet hatte zudem der nationalsozialistische "Sieger Bärensturm" zur Teilnahme an der Dürener Veranstaltung aufgerufen. Die Dürener Linke veranstaltete eine Gegendemonstration. Und der Leiter dieser Demo war der 22-jährige Angeklagte Dominik C.
Freier Zugang
Am 8.September trafen sich die Demonstranten auf dem Bahnhofsvorplatz in Düren, von wo aus sie zunächst über die Josf Schregel Straße zur Kölnstraße gingen. Dort fand eine Zwischenkundgebung statt und die Demonstranten zogen weiter zum Hotel Düren- Ost an der Kölner Landstraße, wo der Bund der Vertriebenen seinen "Tag der Heimat" feierte. Für die Demonstration galt die Auflage, immer nur ein Fahrbahnstreifen zu benutzen, außerdem vor dem Hotel nur die Gehwege und reservierten Parkplätze. Der freie Zugang zum Hotel und den anliegenden Häusern sollte immer möglich sein.
Staatsanwalt Helmutt Hammerschlag erhob Anklage gegen Dominik C. wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht und Beleidigung. Die Anklage wegen Beleidigung deshalb, weil Dominik C. sich außerdem noch verantwortlich zeigt für Flugblätter, die zu der Demonstration eingeladen haben. Darauf hieß es "Gegen Naziterror, Rassismus und Revanchismus- revanchistische Verbände zerschlagen". Für Dominik C. seine Meinung die er frei äußern könne.
Ganze Straße?
Vor dem Dürener Amtsgericht galt es gestern zu klären, ob die Demonstration sich tatsächlich auf der gesamten Fahrbahn bewegt habe und nicht nur auf einer Hälfte. Das besagte zumindest die Aussage zweier Polizeibeamter. Dominik C. wird zur Last gelegt, die Demonstranten nicht über ihr Fehlverhalten aufgeklärt, geschweige denn Abhilfe geschaffen zu haben. Am Ziel der Demo vor dem Hotel habe der Student zudem- als die Lage brenzlig wurde- die Demonstration einfach aufgelöst und erst auf Drängen eines der Polizisten die rund 150 Demonstranten erfolglos angewiesen, sich nicht länger vor der Gaststätte aufzuhalten.
Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft nicht. Vom Vorwurf der Beleidigung wurde
Dominik C. frei gesprochen. Bezüglich des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht kam der Angeklagte mit einer Verwarnung davon. Allerdings muss er die Kosten des Verfahrens tragen. Gestern schloss der Student nicht aus, dass er in die nächste Instanz gehen wird. Der nächste Ärger ist offenbar schon vorprogrammiert. Für den 8. September hat der BdV erneut zum "Tag der Heimat" eingeladen. Festredner ist in diesem Jahr Paul Latussek. Auch in seiner Vergangenheit wollen die Antifaschisten Verbindungen zur rechten Szene ausgemacht haben.
Dürener Nachrichten 23.08.2001
Bund der Vertriebenen lädt Paul Latussek ein
Neuer Eklat um den Tag der Heimat
Düren (oha). Erneut Wirbel um den "Tag der Heimat", den der Bund der Vertriebenen am 8. September in Düren ausrichtet. Im Vorjahr hatte der Auftritt von Gastredner Rüdiger Goldmann zu heftigen Kritiken geführt. In diesem Jahr soll Paul Latussek bei der Veranstaltung sprechen. Latussek werden ebenfalls Verbindungen in das neofaschistische Lager nachgesagt.
Schon gegen den Auftritt von Rüdiger Goldmann hatte die Dürener Antifabewegung heftig protestiert. Gipfel war ein Demonstrationszug durch die Innenstadt, der vergangene Woche ein gerichtliches Nachspiel fand (die "Nachrichten" berichteten).
In diesem Jahr hat der BdV- Kreisverband Düren Paul Latussek als Festredner eingeladen. Die Dürener- Antifa- Gruppe wirft dem Thüringer BdV- Vorsitzenden vor, beiträgt in rechts gerichteten Presseorganen veröffentlicht zu haben. Seine Publikationen seien in eine Reihe neben Veröffentlichungen von Jörg Haider (FPÖ) und Gerhard Frey (DVU) erschienen.
In die Kritik war Latussek auch geraten, als er Flugblätter im Thüringer Landtag verteilte. Darin war von einer "willkürlichen Verschiebung der deutschen Ostgrenze an die Oder und Neiße" von "Gebietsverlust des deutschen Reiches" und "Völkermord an deutschen Stämmen" die Rede. Wie die Tageszeitung "taz" weiter berichtete, hatte der Landtag nach dieser Hetz- Kampagne einen parlamentarischen Abend für die Thüringer Vertriebenen abgesagt.
Die Dürener Antifa- Bewegung fürchtet: "Neofaschisten als Redner- das hat beim BdV- Kreisverband inzwischen Tradition" Die Schirmherrschaft über den "Tag der Heimat" hat wie schon im Vorjahr Landrat Wolfgang Spelthahn übernommen. Der Schirmherr zeigte sich gestern auf Anfrage der "Nachrichten" wenig erfreut darüber, dass der Tag erneut von Querelen überschattet wird. Spelthahn: "Ich werde die Vorwürfe gegen Herrn Latussek sorgfältig prüfen".
Dürener Nachrichten vom 25. 8. 2001
Aus der Rubrik "Wochenspiegel"
Der "Tag der Heimat" des Bundes der Vertriebenen am 8. September in der Dürener Stadthalle sorgt erneut schon im Vorfeld für Ärger. Schon wieder hat der BdV einen Gastredner verpflichtet, der zumindest im Verdacht steht, Sympathien für rechtsextremes Gedankengut zu haben. Was treibt den BdV - Kreisverband dazu, nach dem Streit im vergangenen Jahr um Redner Rüdiger Goldmann auch in diesem Jahr einen umstrittenen Ehrengast einzuladen? Den meisten Teilnehmern der Veranstaltung, die einfach nur ein schönes Fest feiern wollen, hat der Kreisvorstand damit sicher keinen Gefallen getan. Schon wieder wird es eine Protestdemonstration der Antifa - Bewegung geben. Mit der Einladung des Hauptgastes Paul Latussek nährt der BdV - Kreisvorstand in der Tat den Verdacht, dass die Auswahl rechts angesiedelter Redner kein Zufall, sondern Programm ist.
Ottmar Hansen
Dürener Zeitung 27 .08. 2001
Heimattag ohne Spelthahn
Düren. Wie die Antifa Düren mitteilt, wird Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) die Schirmherrschaft über eine Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen (BdV) anlässlich des "Tages der Heimat" ablehnen, sollte man am Redner Paul Latussek festhalten. Spelthahn habe beweise dafür, dass Latussek Verbindungen zu Neofaschisten habe.
Meldung auf WDR 2, 27. 8. 2001
Düren
Landrat zieht Schirmherrschaft für Heimat-Tag der Vertriebenen zurück
Grund ist das Festhalten der Dürener Kreisgruppe des Vertriebenen-Bundes an ihrem Festredner, Paul Latussek aus Thüringen. Linke Gruppen und SPD-Politiker werfen dem 2. Bundesvorsitzenden des BdV große Nähe zu rechtsextremen Positionen vor. Ein Sprecher der Dürener Vertriebenen-Gruppe hat die Kritik als "völlig unverständlich" zurückgewiesen.
Radio Rur vom 27. 8. 2001
Schirmherren steigen aus
Der Dürener Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan fordert, den diesjährigen Festredner zum Tag der Vertriebenen am 8. September, wieder auszuladen. Paul Latussek sei ein Mann mit Verbindungen zur extremen rechten Szene, der keine Gelegenheit auslasse, revanchistisches Gedankengut zu verbreiten, so Nietan. Warum der Bund der Vertriebenen so an diesem Mann als Festredner festhalte, sei ihm unverständlich, so Nietan weiter. Schon ihm letzten Jahr hatte es Ärger um den Festredner am Tag der Vertriebenen gegeben.
Falls man an Latussek als Festredner festhält, wollen Nietan und auch Landrat Wolfgang Spelthan als Schirmherr nicht an der Veranstaltung teilnehmen.
Dürener Zeitung 28.08 2001
Politik auf Distanz: Laden Vertriebene Redner Latussek aus?
Düren. Der «Tag der Heimat» ist erneut ein Politikum. Tritt Dr. Paul Latussek am 8. September in der Dürener Stadthalle als Festredner beim «Tag der Heimat» des Kreisverbandes des Bundes der Vertriebenen (BdV) auf? Diese Frage war am Montag noch nicht entschieden.
Karl Heinz Weschke, Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Düren, sagte gegenüber unserer Zeitung, er könne sich vorstellen, den «Tag der Heimat» auch ohne die Schirmherrschaft von Landrat Wolfgang Spelthahn zu veranstalten.
Ob man Latussek, dem eine Brückenfunktion zwischen den Vertriebenen-Organisationen und der extremen Rechten nachgesagt werden, nun auslade, stehe noch nicht fest. Weschke: «Latussek ist nicht irgendwer, er ist ein gefragter Mann. Ich habe seinen Auftritt bereits vor zwei Jahren festgemacht.»
Landrat Wolfgang Spelthahn bestätigte die Meldung vom Wochenende, er habe die Schirmherrschaft der Veranstaltung niedergelegt, nachdem er nähere Informationen über den stellvertretenden Bundesvorsitzenden des BdV erhalten habe.
«Aufgrund der mir bekannt gewordenen polarisierenden Veröffentlichungen und Äußerungen von Dr. Latussek und der damit verbundenen Gefahr negativer Begleiterscheinungen und Demonstrationen kann ich die Schirmherrschaft über den Tag der Heimat mit ihm als Festredner nicht aufrecht halten», sagte der Landrat.
Während Spelthahn dem BdV das Recht zubilligte, Redner nach eigener Entscheidung einzuladen, forderte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan Weschke auf, Latussek auszuladen, weil dieser regelmäßig in Publikationen und auf Veranstaltungen der extremen Rechten auftauche.
Nietan betonte, dass seine Entscheidung, dem Tag der Heimat mit Latussek fern zu bleiben, keine Missachtung des Schicksals und der berechtigten Anliegen der Vertriebenen sei, sonder die Konsequenz aus seiner demokratischen und antifaschistischen Haltung.
Dürener Nachrichten vom 28. 8. 2001
Tag der Heimat: Landrat zieht Konsequenzen nach Kritik an Festredner
Schirmherr sagt ab
Düren (oha). Landrat Wolfgang Spelthahn hat gestern seine Schirmherrschaft über den "Tag der Heimat" des Bundes der Vertriebenen zurückgezogen.
Zum "Tag der Heimat", den der Kreisverband Düren des BdV am 8. September in der Dürener Stadthalle ausrichtet, wurde der Thüringer BdV - Vorsitzende, Dr. Paul Latussek, als Hauptredner eingeladen. Wie berichtet, war bekannt geworden, das Latussek Beiträge in rechts gerichteten Publikationen veröffentlicht hat. Die Dürener Antifa - Bewegung konnte Landrat Spelthahn am Wochenende weiteres Material vorlegen, das auf Latusseks Verbindungen in das neofaschistische Lager hinweist. Das TV - Magazin "Monitor" hatte erst am 26. Juli unter dem Titel "Heimatvertriebene - Schlesier und NPD im Gleichschritt" Verbindungen Latusseks zu rechtsextremen Blättern öffentlich gemacht. Gestern zog Spelthahn die Konsequenz und seine Schirmherrschaft zurück. " Ich schätze die Arbeit des Verbandes. Ich halte es aber nicht für klug, den Tag der Heimat mit Rednern zu belasten, die in der Dunstzone des Rechtsradikalismus agieren", so Spelthahn gegenüber den Nachrichten. Der Versuch, den BdV - Kreisvorsitzenden Karl - Heinz Weschke, zu bewegen, einen anderen Redner als Latussek einzuladen, führt nicht zum Erfolg. Die Antifa - Bewegung hält deshalb an ihren Plänen fest, am 8. September gegen den Auftritt des Thüringers zu demonstrieren. Der SPD - Bundestagsabgeordnete, Dietmar Nietan, hat die Sozialdemokraten im Kreis aufgerufen, dem Tag der Heimat fernzubleiben. Auch die Grünen werden das BdV - Treffen laut Fraktionschef Oliver Krischer meiden.
Radio Rur vom 28. 8. 2001
Ärger um Festredner hält an
Hohe Wellen durch alle Parteien schlägt auch in diesem Jahr der angekündigte Festredner zum Tag der Vertriebenen. Falls Paul Latussek am 8. September spricht, wollen die Dürener Bündnis-Grünen auch in diesem Jahr nicht teilnehmen. Vom Bund der Vertriebenen fordern sie, sich glaubhaft von der rechten Szene zu distanzieren. Es passe nicht zusammen, so Oliver Krischer, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, auf Plakaten zum Einsatz gegen Rechts aufzufordern, gleichzeitig aber Reden von Leuten zu lauschen, die sie an eben diesem rechten Rand bewegten. Auch Landrat Wolfgang Spelthan und der Dürener SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan werden zum Tag der Vertriebenen nicht erscheinen, falls an Latussek als Festredner festgehalten wird.
Dürener Zeitung 29.08. 2001
«Tag der Heimat»: Vertriebene halten an Latussek fest
Düren. Der Dürener Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) hält an Dr. Paul Latussek als Festredner des «Tages der Heimat» fest.
«Wir bedauern natürlich die Entscheidung des Landrates, auf die Schirmherrschaft zu verzichten, die sicherlich auf fehlende ausreichende Information über die Person des Herrn Dr. Latussek beruht», teilte BdV-Kreisvorsitzender Karl Heinz Weschke mit.
Den Vorwurf, man lade rechtsextreme Redner ein, wies er zurück. Die Verleumdungen gegen den letztjährigen Festredner habe die Antifa Düren nach Gerichtsbeschluss widerrufen müssen. «Ihre neuerlichen Angriffe sind der Versuch, sich für diese Niederlage zu revanchieren.»
Unterdessen haben die vier im Kreistag vertretenen Fraktionen sowie die Dürener SPD-Fraktion den Rückzieher des Landrates gutgeheißen. Die Kreispolitiker kündigten eine Resolution an, um die Heimatvertriebenen zum Verzicht auf einen Auftritt des BdV-Vize-Bundesvorsitzenden zu bewegen. «Was ich über ihn gelesen habe, hat sich in einem persönlichen Gespräch mit ihm bestätigt», berichtete Landrat Wolfgang Spelthahn dem Kreisausschuss.
Der Mann aus Thüringen treibe Schindluder mit den Heimatvertriebenen, indem er ihre Folkloreveranstaltung für eine politische Demonstration der Intoleranz missbrauche, sagte der Landrat.
«Es wäre unerträglich, diesem Mann in Düren ein Forum zu bieten.» Zugleich wies der Landrat darauf hin, dass am 8. September zeitgleich eine rechtsradikale Veranstaltung in Köln stattfinde. «Es wäre nicht gut, wenn der Kreis Düren in einem Atemzug mit diesen verquer Denkenden genannt würde.»
Die Dürener Antifa hat den Pächter der Stadthalle aufgefordert, den Vertrag mit dem BdV zu kündigen.
Dürener Zeitung 30.08. 2001
Bund der Vertriebenen: Statt Latussek spricht Larue
Düren. Der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) verzichtet zum Tag der Heimat am 8. September in der Dürener Stadthalle auf Dr. Paul Latussek als Festredner.
Statt des umstrittenen stellvertretenden BdV-Bundesvorsitzenden wird Dürens Bürgermeister Paul Larue die Ansprache zum Tag der Heimat halten.
Dies teilte BdV-Kreisvorsitzender Karl Heinz Weschke mit. Mit der Absage an Latussek stehe der Übernahme der Schirmherrschaft durch Landrat Wolfgang Spelthahn nichts im Wege, hieß es im Kreishaus.
»Vertriebene« ohne Schirmherr
Dürener Antifaschisten demonstrieren gegen »Tag der Heimat«
Der Kreisverband Düren des »Bundes der Vertriebenen« (BdV) in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat bei der Vorbereitung zum »Tag der Heimat« am 8. September eine Schlappe einstecken müssen. Nach Protesten der örtlichen Antifa erklärte der CDU-Landrat Wolfgang Spelthahn, er ziehe seine Schirmherrschaft für die Veranstaltung zurück. Grund ist der vom BdV als Festredner angekündigte Paul Latussek, der enge Kontakte zu neofaschistischen Vereinigungen und Publikationen hält.
Selbst Spelthahn mochte den Aussagen des Kreisvorsitzenden des Dürener BdV, Karl Heinz Weschke, gegenüber der Regionalpresse nicht mehr glauben, wonach Paul Latussek »ein untadliger Mann« sei, »gegen den man nichts sagen kann«. Der Vorsitzende des BdV Thüringen und heutige Vizepräsident des Vertriebenenbundes hatte im Mai 2000 im Landtag Thüringen Flugblätter verteilt, in denen von dem »Gebietsverlust des deutschen Reiches« und »Völkermord an deutschen Stämmen« die Rede war. In einem Kommentar für die Junge Freiheit im Jahre 1997 befürchtete Latussek, die Vertriebenen könnten durch die Osterweiterung der Europäischen Union »endgültig zu Opfern der Geschichte gemacht werden«.
Schon im letzten Jahr war es beim »Tag der Heimat« in Düren zu Protesten von über 100 Antifaschisten gekommen. Unter der Schirmherrschaft von CDU-Landrat Spelthahn und Bürgermeister Paul Larue (CDU) als Gastredner hielt damals Rüdiger Goldmann die Festrede. Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete ist laut Antifa ein »langjähriges Mitglied und ehemaliger Funktionär des von Neofaschisten durchsetzten Witikobundes«.
Mitte August kam es gegen den damaligen Anmelder der Protestdemonstration vor dem Dürener Amtsgericht zum Prozeß. Wegen Verstoß gegen das Versammlungsrecht - die Demonstration hatte nicht wie angemeldet immer nur eine Hälfte der Fahrbahn benutzt - erhielt der Antifaschist eine Verwarnung. Da der 22jährige aber die Verfahrenskosten tragen soll, will er das Urteil anfechten. Den Vorwurf der Beleidigung ließ der Richter in dem Verfahren fallen.
Antifaschisten, die in der zwischen Köln und Aachen gelegenen Kreisstadt leben, beobachten, daß »die Veranstaltungen des BdV Düren offensichtlich zu einem Mekka von Rechtsextremen« werden. Deswegen rufen sie für Samstag, den 8. September, um 13 Uhr am Bahnhof erneut zur Demonstration gegen den »Tag der Heimat« auf. Von den Betreibern der vom BdV angemieteten Stadthalle Düren fordern die Antifaschisten in einem Offenen Brief, den »bestehenden Vertrag für die Raumnutzung zu kündigen«.
Die diesjährige BdV-Veranstaltungsreihe unter dem Motto »Vertreibung ächten« findet in NRW vom 1. September bis Ende Oktober statt. Latussek soll laut BdV- NRW am 30. September zum »Tag der Heimat« auch in Siegen sprechen.
Michael Klarmann, Aachen
Unsere Zeit (UZ) vom 30.08. 2001
Antifaschist freigesprochen
Neofaschist soll beim "Tag der Heimat" in Erfurt und Düren auftreten
Dass auf den Veranstaltungen der Vertriebenenverbände regelmäßig Redner aus dem neofaschistischen Lager auftreten ist keine Neuigkeit. So verwundert es kaum, dass beim diesjährigen "Tag der Heimat" in Erfurt und Düren Paul Latussek die Ansprache halten sollte.
Der ehemalige Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen unterhält zahlreiche Kontakte nach ganz rechts. Er trat nicht nur als Autor und Interviewpartner für einschlägige Publikationen wie die "Junge Freiheit", "Nation & Europa" oder Gerhard Freys "Deutsche Wochenzeitung" auf. Latussek war stellvertretender Vorsitzender der rechten Kleinpartei "Bund freier Bürger". Im Dezember 2000 wurde er gar als Referent gemeinsam mit dem NPDler Horst Mahler auf einem Seminar der "Deutschen Akademie" in Kaiserslautern angekündigt. Außerdem sagt man ihm nach, er habe einen Fernsehspot der NPD finanziert.
Mittlerweile wurden in beiden Städten Proteste gegen seinen Auftritt angekündigt. Der "Tag der Heimat" in Erfurt soll am 9. September stattfinden. Unter dem Motto "Gegen die BRD-Osterweiterung" rufen verschiedene linke Gruppen zu einer Kundgebung um 11 Uhr 30 an der Thüringenhalle auf.
Einen Tag vorher findet der "Tag der Heimat" in Düren statt. Ein Bündnis aus der örtlichen Antifa, PDS und DKP ruft zu einer Gegendemonstration auf, welche um 13 Uhr 30 am Bahnhof Düren beginnen wird.
Unterdessen beschäftigte der "Tag der Heimat" des vergangenen Jahres in Düren das Amtsgericht. Ein 22-jähriger Student wurde zu einer Verwarnung wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht als Versammlungsleiter verurteilt. Eine Demonstration antifaschistischer Gruppen gegen das Auftreten Rüdiger Goldmanns, eines langjährigen Mitglieds in dem von Neofaschisten durchsetzten "Witikobund", beim "Tag der Heimat" 2000 in Düren soll entgegen der polizeilichen Auflage zeitweise auch die linke Fahrspur mitbenutzt haben.
In einem weiteren Anklagepunkt wurde der junge Antifaschist freigesprochen. Der Richter folgte nicht dem Antrag der Staatsanwaltschaft Aachen, ihn wegen Beleidigung des "Bundes der Vertriebenen" zu verurteilen. Stein des Anstoßes waren die Plakate, mit denen zur Gegendemonstration aufgerufen wurde. Die Vertriebenen fühlten sich durch den Text "Gegen Naziterror, Rassismus und Revanchismus" als Nazis verunglimpft. Der Kreisvorsitzende des BdV Düren hatte daraufhin Anzeige wegen Volksverhetzung (!) gestellt. Dass der Richter diesen absurden Vorwurf zurückgewiesen hat, ist ein Teilerfolg. Den Vertriebenverbänden ist es nicht gelungen, die antifaschistischen Proteste zu kriminalisieren.
Unsere Zeit (UZ) vom 7. 9. . 2001
"Tag der Heimat" ohne Latussek
Niederlage für BdV
Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Thüringen, Paul Latussek, wird beim diesjährigen "Tag der Heimat" in Düren nicht sprechen.
Er wurde vom örtlichen BdV-Kreisverband wieder ausgeladen, nachdem der öffentliche Druck zu groß geworden war. Alle Partei in Düren hatten sich dem Protest der örtlichen Antifaschisten angeschlossen, der CDU-Landrat Spelthahn hatte die Schirmherrschaft über den "Tag der Heimat" niederlegt und damit gedroht, die Mitglieder des BdV in Düren zum Boykott der Veranstaltung aufzurufen, sollte an Latussek festgehalten werden. Bis zuletzt wurde versucht, an dem Redner, der zahlreiche Verbindungen in das neofaschistische Lager unterhält, festzuhalten. Der Landesvorstand des BdV NRW stellte sich hinter Latussek, der ihrer Auffassung nach ein "integrer Mann" sei, der "von sogenannten Antifaschisten in den Dreck gezogen" werde.
Nun soll der Dürener Bürgermeister Paul Larue (CDU) als Redner einspringen. Auch der Landrat stehe wieder als Schirmherr zur Verfügung. Unterdessen hält die Dürener Antifa-Bewegung an ihren Plänen fest, am 8. September gegen den "Tag der Heimat" zu demonstrieren. Nach wie vor sei der BdV revanchistisch ausgerichtet, die örtlichen Funktionäre, die die Verantwortung für die Einladung Latusseks tragen, seien nach wie vor dieselben. Es sei ein Skandal, dass Landrat und Bürgermeister nun so tun, als wäre nicht gewesen. Auch in weiteren Städten sind Proteste gegen den "Tag der Heimat" angekündigt, so am 9. September in Erfurt, wo ebenfalls Latussek sprechen soll. Und auch in Wesel wird gegen eine Veranstaltung des BdV am 23. September mobil gemacht.
Dürener Zeitung 11.09. 2001
Larue: «Sie sind Menschen, die den Frieden wollen»
Düren. Ein großes Polizeiaufgebot sollte Samstag die Veranstaltung des Bundes der Vertriebenen (BdV) zum «Tag der Heimat» in der Dürener Stadthalle sichern. Der von der Antifa Düren angemeldete Demonstrationszug vom Bahnhof zum Kreishaus fiel wegen der geringen Teilnehmerzahl aber aus.
In einer Abschlusskundgebung griff der PDS-Kreistagsabgeordnete Ernst Dmytrowski vor 25 Menschen lokale Politiker, die zum «Tag der Heimat» sprechen würden, scharf an: «Es ist unglaublich, dass diese Politiker faschistischen Funktionären die Hände schütteln.»
Vor mehr als 200 BdV-Mitgliedern begründete Landrat Wolfgang in der Stadthalle Spelthahn seine Ablehnung des Redners Latussek (Die DZ berichtete). Die Trennung zur rechtsradikalen Szene müsse für ihn ganz klar gezogen sein. Die PDS jedoch solle sich nicht als Hüterin der Menschenrechte aufspielen, das sei ein Skandal.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan nannte die Vertreibung ein großes Unrecht. Er wisse aus der eigenen Familie, um was es gehe. Es sei im Interesse der Vertriebenen, sich von Revanchisten und Rechtsradikalen fernzuhalten.
Als Nietan über die EU-Erweiterung sprach und die politischen Realitäten in Berlin darstellte, unterbrach ihn der Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes Karl Heinz Weschke mit lautem Zwischenruf: «Hören Sie auf, Sie sollen hier nur ein Grußwort sprechen!»
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel wies auf die Wiederaufbauleistung der Vertriebenen im völlig zerstörten Düren hin. Er stehe fest an der Seite der Vertriebenen und betonte: «Ich möchte mich für ungeteilte Menschenrechte einsetzen.»
Nach den Grußworten von Ulrike Hoeth (FDP) und Hans Höroldt (Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde)sagte Bürgermeister Paul Larue (CDU): «Man muss sich der Wirklichkeit stellen. Wahrheit entsteht im Dialog.»
Jedes Unrecht der Vergangenheit gehöre unverfälscht dargestellt in die Geschichtsbücher. Gerechtigkeit müsse allen Opfern widerfahren. Auch heute würden in Europa wieder Menschen aus ihrer Heimat vertrieben.
Die Diskussion der letzten Wochen sei unwürdig gewesen. Larue rief den Vertriebenen zu: «Sie sind nicht Leute, die zündeln, Sie sind Menschen, die den Frieden wollen.» In Deutschland sei ein Rechtsstaat entstanden, der seinesgleichen sucht. «Bauen wir gemeinsam und gelassen weiter an diesem guten Haus und an einem freien Europa.»
Dürener Nachrichten vom 11. 9. 2001
"Tag der Heimat": Spelthahn nahm BdV-Kreisvorsitzenden in Schutz
Kritiker wurden ausgepfiffen
Düren (an-o). Zu einer Gedenkstunde anlässlich des "Tages der Heimat" hatte der Dürener Bund der Vertriebenen (BdV) eingeladen. Aus der Stunde wurden gut zwei, es gab zahlreiche wohlwollende und nur zwei kritische Grußworte.
Die Stadthalle war mit 200 Vertriebenen gut gefüllt. Von den rund 20 Demonstranten und mindestens genauso vielen Polizisten draußen vor dem Gebäude ließen sich die Besucher nicht beeindrucken.
Demonstration abgesagt
Den geplanten Protestzug hatte PDS-Mann Ernst Dmytrowski kurzfristig aus Mangel an Teilnehmern abgesagt, lediglich eine Kundgebung fand vor der Stadthalle statt. "Mir ist wichtig", so Dmytrwoski, "dass sich unsere Aktion nicht gegen die Vertriebenen richtet, sondern gegen das rechte Gedankengut der Funktionäre vom BdV."
Drinnen war alles ruhig. Natürlich waren aber die Vorwürfe gegen Paul Latussek, den ursprünglich geplanten Festredner, und eventuelle Verbindungen des BdV zur rechtsradikalen Szene immer wieder Thema. "Wir haben Herrn Dr. Latussek nicht ausgeladen", betonte der BvD-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Weschke. "Er hat verzichtet, heute zu sprechen." Im übrigen verwahre man sich gegen den Vorwurf, immer rechte Redner zum Tag der Heimat eingeladen zu haben, und: "Keiner von den hier Anwesenden gehört in die rechte Ecke."
Für Landrat Wolfgang Spelthahn, der nach der Absage von Latussek doch noch die Schirmherrschaft übernommen hatte, nahm Karl-Heinz Weschke in Schutz: "Ich kenne Herrn Weschke als absolut integren Mann."
Und in Richtung Demonstranten: "Menschen, die sich der PDS verbunden fühlen, wollen uns erklären, was Demokratie und Menschenrechte sind. Das ist ein Skandal."
"Zutiefst friedliebend"
Bürgermeister Paul Larue betonte in seiner Festrede, dass die Vertriebenen "in die Mitte Dürens gehören", denn: "Sie haben die Ärmel hoch gekrempelt und geholfen, diese Stadt wieder mit aufzubauen." Beim Tag der Heimat, so Larue weiter, träfen sich Menschen, die âzutiefst friedliebend" seien. Es sei wichtig, dass der BdV seine Ziele klar formuliere und nicht zahn- und profillos werde.
Einzig der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan und Pfarrer Hans Höroldt von der Evangelischen Gemeinde fanden in ihren Grußworten kritische Worte anlässlich des Tages der Heimat. "Ich bin gerne hier her gekommen", so Nietan. "Es ist Ihre Pflicht an das große Unrecht der Vertreibung zu erinnern. Aber Sie dürfen auch nicht vergessen, warum es zu dieser Vertreibung gekommen ist: Weil Nazi-Deutschland seinen Nachbarn großes Leid zugefügt hat." Außerdem, so Nietan weiter, hätte er erwartet, dass man sich klar und deutlich von Paul Latussek distanziert hätte - spätestens dann, als klar gewesen sei, dass er die NPD mit einer großen Spende unterstützt habe. Nietan: "Bis heute konnte jedoch öffentlich der Eindruck entstehen, dass der Latussek nur deshalb hier nicht spricht, um Krach zu vermeiden."
Wütende Zwischenrufe
Wenig Applaus, Pfiffe und wütende Zwischenrufe gab es auch für den evangelischen Pfarrer. Auch heute, so Hans Höroldt, gebe es Leute die versuchten, eine Ideologie des Hasses in unserem Land zu verbreiten. "Und da ist es für mich völlig unverständlich, wie es - von außen beobachtet jedenfalls - zu einer Nähe eines Teils der Vertriebenenverbände und ihrer Verantwortlichen zu solchen Strömungen kommen kann. Sie wissen doch wie kaum jemand sonst, wohin das führen kann."
Sandra Kinkel
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