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Artikel aus "Links! - Zeitung der PDS/Offene Liste" Nr. 7 (Sept./Oktober 2000)
von Antifa Düren - 5.11.2004 21:28

Artikel aus "Links! - Zeitung der PDS/Offene Liste" Nr. 7 (Sept./Oktober 2000)
Die Wahrheit ausgeblendet

In seinem Kommentar "Die Rechnung, Herr Böling" wettert Josef Kreutzer in der "Dürener Zeitung" gegen die vorwiegend jungen Antifaschistinnen und Antifaschisten, die am 9. September mit einer Demonstration gegen das Auftreten eines rechtsextremistischen "Festredners" auf dem sogenannten Tag der Heimat protestierten. Während der neofaschistische Terror, der in der Vergangenheit immer wieder durch Stichwortgeber aus der Politik angeheizt wurde, immer neue Opfer fordert, während kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Mensch in diesem Lande wegen seiner Hautfarbe oder seinem Anderssein von "guten Deutschen" beleidigt, erniedrigt oder zusammen-geschlagen wird, ist für Herrn Kreutzer klar: der Feind steht nichts rechts, sondern links. Und besonders dann, wenn Linke aktiv gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Revanchismus auftreten. Die Teilnehmer der Aktion in Düren haben umgesetzt, wozu auch der Stadtrat einmütig aufgerufen hat: Zivilcourage gegen Rechts zu zeigen. Ihre Demonstration fand die Unterstützung engagierter Demokraten in Düren selbst und in der Umgebung unserer Stadt - darunter die Bürgerinitiative Eschweiler "Gemeinsam gegen Neonazis", die Jungdemokratinnen / Junge Linke NRW, die JuSos am Ort, die VVN-Bund der Antifaschisten und der beiden Kommunalabgeordneten der PDS/Offenen Liste Dmytrowski und Böling, natürlich auch die Dürener DKP. Doch nicht diejenigen, die zum "Tag der Heimat" den langjährigen Gefolgsmann des ultrarechten von Alt- und Neonazis inspirierten Witikobundes, Goldmann, als Hauptredner eingeladen hatten, sondern die Demokraten, die den Skandal anprangerten, kritisierte der DZ-Kommentarschreiber. Haupt- zielscheibe seiner Kampagne ist der Stadtverordnete Lothar Böling. Sein Haß gegen den linken Abgeordneten gipfelt in der Behauptung, Böling wäre für die Kosten des Polizeieinsatzes verantwortlich, da er das enorme Aufgebot an "Ordnungshütern" heraufbeschworen habe. Daß es nicht Herr Böling war, sondern der Bund der Vertriebenen, der allen begründetem Protest zum Trotz auf den braun schillerenden Festredner beharrte, damit die Protestaktion provozierte, und wie zum Hohn Polizeihilfe zum Schutz dagegen in Anspruch nahm, fiel dem Herrn von der "DZ" nicht auf. Das konnte Herr Kreutzer wohl deswegen nicht sehen, weil Haß bekanntlich blind macht. Er behauptet, die Polizei habe den "zumeist älteren Mitgliedern des Bundes der Vertriebenen" das gleiche grundgesetzlich verbürgte Recht auf Meinungsfreiheit gesichert, wie den "zumeist jungen Antifaschisten". Da irrt er. Solange in den Vertriebenen-verbänden Neofaschisten, Revanchisten oder ultrarechte wie Goldmann die Meinungshoheit haben, ist ihr Verhalten nicht durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Faschismus ist keine Meinung wie andere auch. Faschismus ist Gesinnung und Aufforderung zum Verbrechen. Also kriminell. Herr Kreutzer verniedlicht das mit der Behauptung, es sei bei der Vertriebenenveranstaltung um einen "Gedenknachmittag" und "Folklore" gegangen. Er blendet bewußt die Wahrheit aus, die darin besteht, daß die Vertriebenenverbände politisch und personell mit alten und neuen Nazis verflochten sind. Wir behaupten nicht, daß alle Mitglieder dieser Verbände mit Goldmann und anderen Hardlinern gleichzusetzen sind. Aber der BdV im Ganzen ist nationalistisch, revanch-istisch, und die braune Grundfarbe seines Führungspersonals schimmert bis heute erkennbar durch. Wenn die Herren Spelthahn, Larue, Esser und andere bürgerliche Lokalgrößen mit ihrer Anwesenheit auf der BdV- Veran-staltung dem Gastredner Goldmann die Ehre gaben, haben sie im Widerspruch zu der von allem Parteien verabschiedeten Stadtratsresolution "Gegen Rechts" gehandelt. Worte und Taten - sie stimmen bei ihnen nicht überein. (gl)

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