von Antifa Düren - 5.11.2004 21:24
Eine unglaubliche Provokation plant der Kreisverband Düren des Bundes der Vertriebenen (BdV) für den 7. September. Zum so genannten „Tag der Heimat“ soll an diesem Tag eine Gedenkveranstaltung im Rathaus stattfinden, die durch Bürgermeister Paul Larue (CDU) eröffnet werden soll.

Protest gegen den \"Tag der Heimat\" 2000 in Düren
Noch eins darauf setzen die Revanchisten mit dem im Anschluss auf dem Kaiserplatz geplanten „1. Ostdeutschen Markt“. Wer bei „Ostdeutschland“ hier an die neuen Bundesländer denkt, liegt falsch. Bei genauerer Betrachtung des Programms des Marktes wird deutlich, welche Gefahr von den unbelehrbaren BdV-Mitgliedern ausgeht. Feilgeboten werden sollen auf diesem Markt unter anderem „kaschubische Handarbeiten“, „böhmisches Spielzeug,“ „ostpreußischer Bernstein“ und „königsberger Marzipan“ werden. Unter „Ostdeutschland“ verstehen die Revanchisten Gebiete jenseits von Oder und Neiße, also in Polen und Tschechien oder gar noch weiter östlich. Am liebsten wäre dem BdV wohl ein Deutschland in den Grenzen von 1937 – oder etwas später.
Diese revanchistische Ausrichtung gefährdet das friedliche zusammenleben in Europa! Auch wird an dieser Stelle die ideologische Schnittmenge mit den Neonazis deutlich: auch diese wollen die deutschen Grenzen revidieren. So wird dann wohl auch beim geplanten Absingen des Deutschlandesliedes im Rathaus der eine oder andere die verbotene Strophe „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ in Gedanken mitsingen. Neofaschistisches Gedankengut ist längst mitten in der Gesellschaft verortet.
Rückblende: Im vergangenen Jahr konnte die Antifa Düren den Auftritt des Neofaschisten Latussek beim „Tag der Heimat“ des BdV in Düren verhindern. Die von der Antifa nachgewiesenen Verstrickungen Latusseks im neofaschistischen Lager waren so zahlreich, das selbst CDU-Landrat Spelthahn (Schirmherr „Tag der Heimat“) und Bürgermeister Larue vom BdV abrückten. Mittlerweile musste Latussek alle seine Ämter im BdV niederlagen, nachdem er öffentlich den Holocaust in Frage stellte. Am weitesten von den bürgerlichen Parteien ging im Jahr 2001 die SPD. Deren Dürener Bundestagsabgeordneter Dietmar Nietan forderte wegen der Einladung Latusseks, der BdV-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Weschke (erst kürzlich wiedergewählt, außerdem Mitglied im BdV-Landesvorstand) solle zurücktreten. Und dies zurecht! Weschke hatte offenbar schon vor der Einladung Latusseks Sympathien für Redner von ganz Rechts, denn in den letzten sieben Jahren wurden mindestens vier Redner zum "Tag der Heimat" nach Düren eingeladen, denen eindeutig Verbindungen zu Neonazis nachweisbar sind. Namentlich sind dies Renate Sappelt (1995), Ortwin Lowack (1999), Rüdiger Goldmann (2000) sowie Paul Latusek 2001.
Aus diesen Tatsachen lässt sich nur ein Schluss ziehen: die Zusammenarbeit mit Neofaschisten ist Programm des BdV in Düren. Und mit diesen Leuten soll am 7. September im Rathaus eine Gedenkveranstaltung stattfinden. Dann soll der Hardliner Weschke selbst als Festredner das Wort ergreifen. Wird er dafür von den im Stadtrat vertretenen Parteien Beifall bekommen? Diese Veranstaltung ist eine einzige Provokation, und trägt dazu bei, rechtes Gedankengut salonfähig zu machen. Mit dem „1. Ostdeutschen Markt“ setzte der BdV noch eins darauf. Durch die Präsenz auf dem Kaiserplatz wird die revanchistische Ideologie der „Vertriebenen“ massiv in die Öffentlichkeit getragen.
Die Antifa Düren wird diese Provokation von Rechts, inklusive der Unterstützung durch die Stadt Düren, nicht widerstandslos hinnehmen. Wir fordern die verantwortlichen Stellen der Stadt Düren auf, dem BdV jegliche Unterstützung zu entziehen. Die Antifa Düren hat bereits eine Kundgebung auf dem Kaiserplatz gegen den „Tag der Heimat“ unter dem Motto „Lieber ein reiches Heim als heim ins Reich“ angemeldet. Aktuelle Informationen zu den geplanten Protesten werden im Internet unter der Adresse www.antifa-dueren.de veröffentlicht.
Antifa Düren, 27. 08. 2002
Dokumentation: Widerstand gegen den "Tag der Heimat" 2000
Dokumentation: Widerstand gegen den "Tag der Heimat" 2001
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