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Zugespitzt: Hausbesetzer sind (manchmal) Mörder
von klarmann - 28.12.2003 09:32

01.10.03 18:13

Aachen. Gewagt, Herr Staatsanwalt. Unlängst plädierten Sie in einem Prozess gegen zwei Linke, als Ihnen dämmerte, die Beweislage gegen die Beiden war verdammt dünn, dass sie einem "Kollektiv" von "notorischen Rechtsbrechern" und "undemokratischen Gesinnungskämpfern" angehörten. Statt Beweise müssten, so etwa war es wohl gemeint im Dezember letzten Jahres, deren "Betonkopfmentalität" ausreichen, sie zu verurteilen. Sei's drum. Plädoyers von Strafverteidigern und Staatsanwälten werden gerne mit Polemik gewürzt, und was Aachens Linke Ihnen seit Ewigkeiten an Polemik in Pressemitteilungen und Flugblättern zumutet, geht auch über das Erträgliche hinaus. Indes, wieso kommt es derzeit in Mode, linken Aktivisten reihenweise schiefe Vergleichen vorzuhalten, als Beispiel dafür, dass man ohne Ansehen der Person ermittelt? Was wäre los, fragten Sie nun, wenn Rechtsextreme ein Haus besetzen würden? "Welcher Aufschrei wäre durch Ihre Reihen gegangen, wenn wir nur einen Tag so eine Besetzung geduldet hätten?" polemisierten Sie da in Richtung der Angeklagten und den provokant zwischenrufenden Sympathisanten auf den Zuschauerplätzen zugewandt. Und fragten weiter: Wen hätte man denn da fragen sollen, was zu tun wäre? Die Fachschaft Philosophie oder das Rote Büro etwa, fragten Sie rhetorisch einwandfrei, und bewiesen damit, dass Sie deren Pamphlete zu den verschiedenen Prozessen in letzter Zeit zur Kenntnis genommen haben. Oder, fragten Sie hernach, etwa den Aachener Friedenspreis? Der hatte sich dafür eingesetzt, die Hausbesetzung ohne polizeiliche Räumung zu beenden und solidarisiert sich heute mit den Angeklagten, was auszureichen scheint, ihn von Ihnen in einem Atemzug mit als Extremisten angesehenen Gruppen zu nennen ­ in Ihrem Gleichnis zu linken und rechten Hausbesetzern wohlgemerkt. Freilich, linke Hausbesetzer sind keine Schmusetiger, und wenn Sie, Herr Staatsanwalt, diesen ein "antidemokratisches Weltbild" vorwerfen, da sie zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele demokratische Grundsätze verletzten, ist da etwas dran. Neu ist nur, wenn wir denn schon beim polemisieren sind, dass Hausbesetzer seit 1989 über hundert Menschen getötet haben sollen. Menschen mit fremdenfeindlichen und rechtsextremen Ansichten können auf diese Opferstatistik nämlich ­ stolz? ­ zurückblicken. Aber vielleicht sollte man auch nicht jeden Vergleich zu Ende denken...
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